Neue EU-Verpackungsverordnung: Handlungsbedarf bei Lieferungen in die EU

Auch Schweizer Betriebe können unter die Vorgaben fallen, sobald sie verpackte Waren in den EU-Binnenmarkt liefern.
22. Sept.. 2026 ·

Falls Sie mit Ihrem Fachgeschäft oder Atelier Schmuck, Uhren, Ersatzteile oder reparierte Waren in EU-Länder versenden, sollten Sie prüfen, ob Ihr Betrieb von der neuen EU-Verpackungsverordnung betroffen ist. Je nach Versand- und Vertriebsmodell können Anforderungen an die Verpackung sowie Registrierungs-, Dokumentations- oder Gebührenpflichten entstehen. Besondere Aufmerksamkeit ist bei Reparatur-, Garantie- und Rücksendungen erforderlich.

Inkrafttretung der EU-Verpackungsverordnung

Seit dem 12. August 2026 gilt die neue EU-Verpackungsverordnung, kurz PPWR. Sie vereinheitlicht die Anforderungen an Verpackungen innerhalb der EU und betrifft nicht nur Unternehmen mit Sitz in einem EU-Mitgliedstaat. Auch Ihr Schweizer Fachgeschäft oder Atelier kann unter die Vorgaben fallen, sobald Sie verpackte Waren in den EU-Binnenmarkt liefern.

Für Ihren Betrieb ist die PPWR insbesondere relevant, wenn Sie Schmuck, Uhren, Ersatzteile oder andere Waren direkt an Kund:innen oder Geschäftspartner:innen in der EU versenden. Dies gilt auch, wenn Sie über einen Online-Shop Lieferungen in EU-Länder anbieten. Je nach Vertriebsmodell können die rechtlichen Pflichten bei Ihrem Unternehmen, bei einem Importeur in der EU oder bei weiteren Beteiligten der Lieferkette liegen.

Die PPWR enthält unter anderem Anforderungen an die Recyclingfähigkeit, Materialzusammensetzung, Kennzeichnung und Minimierung von Verpackungen. Zusätzlich können Dokumentations-, Registrierungs- und Nachweispflichten bestehen. Welche Vorgaben Ihr Fachgeschäft oder Atelier konkret einhalten muss, hängt von Ihrer Rolle innerhalb der Lieferkette, der verwendeten Verpackung und dem jeweiligen Vertriebsweg ab.

Besondere Aufmerksamkeit ist bei Reparatur-, Garantie- und Rücksendungen erforderlich. Wenn Sie beispielsweise eine reparierte Uhr oder ein Schmuckstück an Kund:innen in der EU zurücksenden, lässt sich nicht in jedem Fall pauschal beurteilen, welche Pflichten dadurch entstehen. Entscheidend können unter anderem die Eigentumsverhältnisse, der Versandablauf sowie die vertragliche Verantwortung für Ware und Verpackung sein. Rücksendungen an Lieferanten oder Hersteller sind deshalb nicht automatisch gleich zu behandeln wie der Verkauf und Versand neuer Ware.

Wenn Sie Waren oder reparierte Produkte in die EU versenden, sollten Sie insbesondere prüfen:

  • welche Waren und Verpackungen Ihr Betrieb in EU-Länder versendet;
  • welche Rolle Ihr Fachgeschäft oder Atelier innerhalb der Lieferkette einnimmt;
  • ob im jeweiligen Zielland Registrierungs-, Vertretungs-, Melde- oder Gebührenpflichten bestehen;
  • welche Angaben und Nachweise Sie von Ihren Verpackungslieferanten benötigen.

Die PPWR schafft zwar einen gemeinsamen europäischen Rahmen. Ergänzende Pflichten, insbesondere im Bereich der erweiterten Herstellerverantwortung, können jedoch weiterhin vom jeweiligen EU-Mitgliedstaat und vom konkreten Versandmodell abhängen. Eine einmalige Prüfung für die gesamte EU reicht daher nicht in jedem Fall aus.

Der VSGU empfiehlt Ihnen, Ihre Verpackungs- und Versandprozesse zu überprüfen, wenn Ihr Fachgeschäft oder Atelier regelmässig Waren, Online-Bestellungen oder reparierte Produkte in EU-Länder versendet. Klären Sie offene Fragen mit Ihren Logistikpartnern, Verpackungslieferanten oder einer spezialisierten Rechtsberatung.

Beurteilung von konkreten Einzelfällen

Diese in diesem Artikel aufgeführten Informationen stellen keine abschliessende rechtliche Beurteilung von konkreten Einzelfällen dar. Sollten Sie weitergehende Fragen oder Unklarheiten in Bezug auf Ihren konkreten Fall haben, können Sie gerne die VSGU-Rechtsberatung via der Geschäftsstelle für weiterführende Abklärungen kontaktieren.

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Neue EU-Regeln gegen Greenwashing

Ab dem 27. September 2026 werden in der Europäischen Union strengere Vorschriften für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen angewendet. Grundlage ist die Richtlinie (EU) 2024/825 «Empowering Consumers for the Green Transition», kurz EmpCo. Sie soll Konsument:innen besser vor Greenwashing, nicht transparenten Nachhaltigkeitssiegeln und irreführenden Angaben zur Haltbarkeit oder Reparierbarkeit von Produkten schützen.

Schweizer Unternehmen sind von dieser EU-Richtlinie immer dann direkt betroffen, wenn sie ihre Produkte oder Dienstleistungen aktiv an Konsumenten (B2C) innerhalb der Europäischen Union vermarkten. Sie gilt EU-weit verbindlich seit dem 27. September 2026. 

Da die Richtlinie dem Marktortprinzip folgt, spielt der rechtliche Hauptsitz des Unternehmens keine Rolle – ausschlaggebend ist das Zielpublikum. Wer im EU-Raum wirbt, muss die Vorgaben einhalten. 

Die Rechtsprechung zu diesem «Targeting»-Kriterium stützt sich unter anderem auf Indizien wie einen Onlineshop mit Liefermöglichkeiten in die EU, gezielte Werbung in EU-Ländern, länderspezifische Angebote oder die aktive Ansprache von EU-Kundschaft. Die blosse weltweite Erreichbarkeit einer Schweizer Website ist dagegen nicht automatisch mit einer gezielten Ausrichtung auf den EU-Markt gleichzusetzen. Diese Abgrenzung ist im Einzelfall jedoch nicht immer eindeutig und bleibt ein Graubereich, gerade bei kleineren Betrieben mit einfachem Onlineauftritt. Für die rechtliche Beurteilung ist deshalb immer der konkrete Marktauftritt zu betrachten.

21. Sept.. 2026 • VSGU-ASHB
Fachartikel
VSGU-Branchentreff 2026: Impulse für eine Branche im Wandel

Am Montag, 8. Juni 2026, traf sich die Schweizer Goldschmiede- und Uhrenbranche zum diesjährigen VSGU-Branchentreff im Aubrey an der Zürcher Hardbrücke. Nach Türöffnung und Begrüssungsdrink erwartete die Teilnehmenden ein dichtes Programm: Neuigkeiten aus dem Verband, vier hochkarätige Podiumsreferate zu Gold, Diamanten, Uhren und KI-Suche sowie ein Apéro riche zum Ausklang. Erstmals wurden die Teilnehmenden durch das letztes Jahr frisch gewählte Co-Präsidium Andrea von Allmen und Susanna Hospenthal begrüsst. 

Sie finden die Impressionen hier: Fotos (Quelle: Gold'Or)
 

VSGU:  Aktualitäten, Projekte und Ergebnisse der Online-MV

Zum Auftakt berichtete Andrea von Allmen und Susanna Hospenthal über die künftigen Schwerpunkt aus der Strategietagung 2025 des Verbands: Austausch und Vernetzung in der Branche fördern, massgeschneiderte Weiterbildungsangebote nach den Bedürfnissen der Mitglieder, eine qualitativ hochwertige und zukunftsfähige Grundausbildung sowie die langfristige Nachfolgesicherung durch aktives Berufsmarketing. Vision und Leitbild des VSGU sollen geschärft werden. 

Zentrale Projekte im Berufsfeld Schmuck- und Objektegestaltung sind die WorldSkills 2026 in Shanghai & SwissSkills 2027 in Bern sowie der geplante Berufsbildungsfonds (BBF): Weil die freiwillige Beteiligung nicht ausreichte, fiel der Richtungsentscheid zur Allgemeinverbindlichkeit. 2026 läuft die Informationskampagne mit Urabstimmung (Ziel: Hohe Beteiligung der Branche); bei einem Ja folgen der Antrag ans SBFI und die Umsetzung ab 2028. 

Erfreulich entwickelt sich zudem das Qualitäts-Label des VSGU, das ethisch, ökologisch und sozial verantwortliches Arbeiten für die Kundschaft sichtbar macht: Bereits 20 Standorte sind akkreditiert, und dieses Jahr profitieren Mitglieder von einer Gratisakkreditierung!

Co-Geschäftsführer Remo Fürer präsentierte anschliessend die Ergebnisse der vorgängig durchgeführten Online-Mitgliederabstimmung: Die Mitglieder nahmen die Jahresberichte des Co-Präsidiums, der Geschäftsstelle und der Fachkommissionen sowie die Jahresrechnung 2025 ab und erteilten dem Vorstand die Entlastung. Das Co-Präsidium sowie der gesamte Vorstand wurden einstimmig wiedergewählt und alle weiteren Geschäfte ordnungsgemäss bestätigt. 

Anschliessend moderierte gewohnt souverän Nina Hänsli, Geschäftsführerin der wamag | Walker Management AG, die Referate sowie die nachfolgenden Diskussionen mit Gespür für die relevanten Fragestellungen.

 

Gold im Fokus: Markttreiber und Ausblick

Michael Müller, Portfolio Manager und Mitglied im Anlagekomitee der Valiant Bank AG, beleuchtete den Goldmarkt aus Anlegersicht – mit direktem Bezug zur Schmuckbranche. Gold trägt heute drei Identitäten zugleich: Es ist Schmuckrohstoff, Zentralbankreserve und Krisenversicherung. Besonders die Notenbanken prägen die Nachfrage: Seit der Finanzkrise und verstärkt seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 kaufen sie strategisch und in grossem Stil Gold zu. Als zentrale Preistreiber nannte Müller Zinsen und Inflation, Geopolitik und Vertrauen, den US-Dollar samt Verschuldung des Finanzsystems sowie das physische Angebot.

Für die Schmuckbranche bedeutet die Doppelrolle von Gold als Anlage und Produkt dreierlei: Das Preisbewusstsein der Kundschaft steigt, die Produktdifferenzierung gewinnt an Bedeutung, und die Nachfrage wird zyklischer. Im Ausblick sprach Müller von einem strukturell höheren Goldniveau – gestützt durch strategische Notenbankkäufe, hohe Staatsverschuldung, wachsendes Systemmisstrauen und anhaltende geopolitische wie wirtschaftliche Unsicherheit.

 

Lab-Grown Diamonds und Diamantpreise: Neue Dynamiken im Markt

Tobias Lanz, Global Associate Director Sourcing & Category Management bei der Bucherer AG, ordnete die Umwälzungen im Diamantenmarkt ein. Labordiamanten erreichen seit rund 2012 Top-Schmuckqualität – und haben sich preislich dramatisch entwickelt: Innerhalb von zehn Jahren fielen die Preise um über 98 Prozent; heute kosten Lab-Grown Diamonds noch ein bis drei Prozent eines vergleichbaren Naturdiamanten. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Round Brilliant mit 4.53 Karat (E, VVS2) kostet als Naturstein rund 149'450 US-Dollar, als Labordiamant 574 US-Dollar. Entsprechend gross sind auch die Preisunterschiede im Detailhandel – für praktisch identische Lab-Grown-Solitärringe verlangen Anbieter bis zu 275 Prozent mehr als Discounter.

Wichtig für die Beratung: Gemäss CIBJO darf ein Labordiamant nie als blosser «Diamant» bezeichnet werden, sondern stets nur mit klarstellendem Zusatz. Auch ein GIA-Report ist kein Beleg für einen Naturstein – das GIA zertifiziert auch Labordiamanten und stellt deren Bewertung per Ende 2025 auf die Kategorien «Premium» und «Standard» um. Beruhigend: 100 Prozent aller Labordiamanten lassen sich mit heutiger Technik identifizieren. Im Markt zeichnet sich eine Zweiteilung ab: Lab-Grown etabliert sich im Einstiegspreis- und Fashion-Segment mit sehr hohen Margen, während sich High-End-Marken bewusst abgrenzen – De Beers etwa schloss 2025 seine Lab-Grown-Schmuckmarke Lightbox. Die Preise natürlicher Diamanten stehen derweil unter Druck: Auf den Nachfrageboom nach Corona folgten Überproduktion, rasche Marktsättigung und Preiszerfall, verschärft durch Geopolitik und die Wirtschaftslage in den Schlüsselmärkten USA und China. Für den Fachhandel ergeben sich daraus konkrete Fragen zu Kalkulation, Lagerbewertung und Sortimentsgestaltung – und zugleich Chancen durch Transparenz, ethische Beschaffung und lückenlose Nachverfolgbarkeit.
 

Uhren im Umbruch: Welche Marken haben Zukunft?

Iris Kuhn-Spogat, Leiterin Watches bei der BILANZ, zeichnete das Bild eines Uhrenmarkts zwischen Premiumisierung und Polarisierung. Die Schweizer Uhrenexporte zeigen seit Jahren dieselbe Schere: Der Exportwert stieg von 17.0 Milliarden Franken (2020) auf 25.6 Milliarden (2025), während die Stückzahlen von ihrem Hoch bei 16.9 Millionen (2023) auf 14.6 Millionen sanken – Wert rauf, Volumen runter. Gleichzeitig konzentriert sich der Markt: Rolex hält 2025 einen Marktanteil von 32.9 Prozent. Oder in den Worten der Referentin: «Es gibt Rolex, und es gibt Uhren

Als dritte Kraft identifizierte Kuhn-Spogat die veränderte Käuferschaft: Eine neue Generation – Gen Z und vermehrt Frauen – übernimmt das Ruder, ist bestens informiert und anspruchsvoller denn je. Uhren aus Vorbesitz werden mit rund 40 Prozent Akzeptanz zum Mainstream. Das Begehren ist intakt: Gemäss Deloitte Swiss Watch Industry Study 2025 wollen 72 Prozent der Befragten in nächster Zeit eine Armbanduhr kaufen. Beim Vertrieb dominiert weiterhin der stationäre Handel mit über 60 Prozent Anteil, davon 38 Prozent Multimarken-Retailer. Auswahl und persönliche Beziehung sind dabei die Schlüssel für die Zukunft. Ihr Appell an den Fachhandel unter dem Stichwort «Courage!»: Community aufbauen, das Geschäft zum Treffpunkt machen, unabhängige Marken integrieren und auf Secondhand setzen.
 

KI in der Suchlandschaft: Wie Unternehmen sichtbar bleiben

Samuel Kirchhof, Head of Performance Marketing bei der Webrepublic AG, räumte mit einem Mythos auf: Google ist keineswegs tot. Mit knapp 94 Prozent Marktanteil bleibt die Suchmaschine klar führend, während ChatGPT als Suchwerkzeug erst 0.25 Prozent ausmacht. KI-Chatbots werden vor allem für informationale und komplexe Anfragen genutzt – und sie ersetzen die klassische Suche nicht, sondern erweitern sie: Wer ChatGPT nutzt, sucht danach sogar häufiger auf Google. Gleichzeitig nähern sich die Welten an: LLMs erhalten Web- und Shopping-Funktionen, Google kontert mit AI Overviews und dem AI Mode. Daneben wächst die Social Search – gerade die Gen Z sucht zu 73 Prozent auch auf TikTok, Instagram und Co. nach Inspiration.

Für Fachgeschäfte und Ateliers hatte Kirchhof konkrete, sofort umsetzbare Empfehlungen: Erstens ein Local-Business-Schema (JSON-LD) auf der Website hinterlegen, damit die Crawler von KI-Modellen die Inhalte zuverlässig lesen können. Zweitens das Google-Business-Profil pflegen – mit exakt übereinstimmendem Firmennamen, präziser Kategorie, vollständiger Serviceliste und mehr als zwanzig hochauflösenden Fotos aus Werkstatt und Geschäft. Drittens auf bewegte, authentische Inhalte setzen: Einfache, mit dem Smartphone gefilmte Arbeitsschritte am Werktisch schaffen nachweislich mehr Kundenvertrauen als Hochglanzkampagnen. Es gilt: Authentizität vor Perfektion.
 

Austausch an der Bar und beim Grill-Buffet

Im Anschluss an die Referate und die angeregte Diskussionen im Plenum wurde Daniel Nicklès mit einer berührenden Laudatio des ehemaligen VSGU-Präsidenten Robert Grauwiller verabschiedet. Zum Abschluss nutzten die Teilnehmenden den Apéro riche ausgiebig für den persönlichen Austausch. Der Branchentreff 2026 bestätigte einmal mehr seinen Wert als Plattform, auf der die Branche Perspektiven gewinnt und gemeinsam über ihre Zukunft diskutiert. 

Als VSGU danken wir allen Referierenden, der Moderatorin, dem Gold'Or für die Schnappschüsse und den Teilnehmenden herzlich für diesen gelungenen Anlass.

15. Juni. 2026 • VSGU-ASHB
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